Reiseführer Essen und Trinken
Escritor: Pedro Servera, Hotel Playa Port Vell
2003
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Die mallorquinische Küche: Man bestellt, was laut Karte "mallorquinische Suppe" heißt, und denkt an etwas leichtes, in der Sommerhitze gut bekömmliches; doch was serviert wird, ist alles andere als eine Suppe, sondern ein dampfender Kohlberg, aus dem hier und da Fleischwürfel sichtbar werden. Die Tücke liegt in der Übersetzung: Sopas, der Plural von sopa, steht nicht für Suppe, sondern für Eintopf potajes. Wer also eine richtge Suppe möchte muss sich an die Einzahl halten an sopa, beispielsweise favada -Bohnensuppe- oder sopa de pescado -Fischsuppe- oder die sopa de verdura -Gemüsesuppe- die immer anders, jedoch generell gut ausfällt. Je einfacher die Kneipe, desto besser die sopa. Das Gleiche gilt für caldo. Caldo kann Brühe auf der Basis von Fleisch, Fisch oder Geflügel sein und taucht hier und da auch als sopa de caldo auf. Caldos rangieren immer am unteren Ende der Preisliste auf. Die caldereta steht ganz oben. Sie kommt in zwei Versionen auf den Tisch: caldereta de mariscos -Eintopf mit Schalentieren- und caldereta de langosta -Langustensuppe-. Auch hier wieder die caldereta ist keine Suppe, sondern ein luxuriöser Eintopf, den die Insel Mallorca zu bieten hat. Basis ist der sofrito (die Mutter aller spanischen Soßen) aus geschmorten Tomaten, Zwiebeln und Parikaschoten. Damit wird der Fischsud, in dem man vorher die Langustenstücke oder die mariscos angebraten hat, serviert. Die preiswerten Gerichte sind: arroz al la marinera -Reissuppentopf- mit Fisch und Schalentieren. Sein bäuerliches Gegenstück arroz brut >Schmutziger Reis< - wird mit Fleischstücken vom Schwein, Huhn oder Karnickel und den Jahreszeiten entsprechendem Gemüse zubereitet und als würzige Beilage fonoll mari (Meerfenchel). Etliche Restaurants part forana -auf dem Lande- verwenden statt der Reste ausgewählte Stücke, würzen nicht mit colorante -Farbstoff- sondern mit Safran, und geben Wild, Wachteln oder Täubchenfleisch zu. Frito mallorquin, noch ein Küchenhit, der auf keiner Karte fehlen darf: Frische Innereien, am besten vom Hammel, mit Kartoffeln, Zwiebeln, Knoblauch, Fenchel und Pabrikaschoten. Oder tumbet -Gemüseauflauf- mit Kartoffeln, Zucchini, Pabrikaschoten, Auberginen und Zwiebeln ein ideales Sommeressen. Lomo con col ein Schweineschnitzel mit Kohl, Pinienkernen, Rosinen und Blutwurst, geschmort, ist zwar kein echter Eintopf, wird aber als Eintopf greixonera serviert. Palomo con col ein auf gleiche Weise zubereitetes Täubchen. Pa amb oli, das Brot mit Olivenöl, Knoblauch und Tomaten, zum Frühstück oder einfach mal für zwischendurch. Meist mit pa moreno das dunkle, salzlose Mischbrot ist die Grundlage, dann kommt die philosophische Frage, wo Katalanen und Mallorquiner stundenlang diskutieren können: Wird zuerst das Brot mit Olivenöl beträufelt oder mit einer aufgeschnittenen tomàtgues de ramellet eingerieben, oder zuerst mit Tomate und anschließend mit Olivenöl. Man glaubt es nicht aber es sind tatsächlich zwei nicht zu vergleichende Varianten.
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Fleisch Fisch Fisch und Schalentiere aus einheimischer Fischerei sind selten geworden und zudem durch den touristischen Bedarf in den Sommermonaten völlig überfordert. pescado fresco frischer Fisch nur noch in kleinen Hafenregionen. Der große Teil für den Fischmarkt wird importiert. Hauptsächlich galizische Küste und den kanarischen Inseln. Wenn aber dran steht pescado fresco, dann können sie sicher sein, dass es sich nicht um Tiefkühlware handelt. Bei Tintenfischen spielt es keine negative Rolle. Geflügel Saucen Mallorquinische Tischsitten Mallorquiner kommen mittags selten vor zwei Uhr, abends zwischen neun und zehn Uhr, im Sommer eher noch eine Stunde später. In Urlauberzonen profitieren die Gastwirte von den unterschiedlichen Essenzeiten einheimischer und ausländischer Gäste. Vor allem Deutsche sind gern gesehen, weil sie früher essen. Einen Tisch im Restaurant sollte man nur beanspruchen, wenn man wirklich zum Tafeln kommt. Wer kein Menü mag, sollte in einer Bar oder Bodega einkehren, wo eine Vielzahl von kleinen Tapas, Tortillas, Bocadillos serviert wird. Die mallorquinischen Mahlzeiten, sei es am Mittag oder am Abend, dauern in der Regel lange. Sie bestehen aus mindestens drei Gängen. Vor der Vorspeise entremeses nimmt man Brot und Oliven je nach Gusto auch mit Aioli oder auch etwas para picar zum Knabbern. Das verschönt die Wartezeit. Nach der Vorspeise (Salate, Suppen, Schnecken, Schinken, Muscheln) das Hauptgericht plato segundo, sei es Fisch, Fleisch oder Geflügel. Die Beilagen müssen meist extra bestellt werde. Der Nachtisch postres, besteht aus Obst, Eis, Flan (Karamelcreme), Gebäck oder Käse. Anschließend, nach guter Tischsitte, Café und Cognac. Es darf auch ruhig eine gute cava sein. Cava ist die offizielle Bezeichnung für Schaumwein, den der Volksmund trotz EG-Richtlinien und Bestimmungen weiter champan nennt. Mit Rücksicht auf den französischen Nachbar darf der spanische Cognac nicht als coñac, sondern als Brandy angeboten werden. Frühstück Die Ensaimada ist ein superleichtes Schmalzgebäck in Form eines plattgedrückten Turbans, das mit Puderzucker bestreut ist. Auf den Dörfern gibt es sie nur an Sonn- und Feiertagen. Das Frühstücksbuffet, deutsches, englisches oder holländisches, kennt man nur in den Urlaubsorten. Hier sucht man dann vergebens nach der Köstlichkeit Ensaimada. Getränke Die roten Weine haben einen Alkoholgehalt von zwölf bis 14 Prozent, die weißen stehen ihnen mit zehn bis 12,5 Prozent nichts nach. Die einheimische Produktion deckt den Bedarf nur zu Bruchteilen. Anbaugebiete: Banyalbufar mit der Malvasier-Rebe und Binissalem. Daher importiert man Weine vom Festland: aus Rioja, Katalonien, Navarra und Kastilien. Wenn sie kein Kenner sind, liegen sie mit Rioja-Wein meist richtig. Gängige Marken sind unter anderem: Campo Viejo, Olarra, Réne Barbier, Torres, Monopol, Faustino. Sie werden als Rot-, Rosé- und Weißweine angeboten. Natürlich bieten viele Restaurants und Bars auch Bier cerveza vom Fass an. Ein kleines davon nennt man caña. Flaschenbiere aus allen Ländern gibt es überall. Aber die Nummer eins unter den Getränken auf Mallorca ist das Mineralwasser aus vielen Quellen auf der Insel. aqua sin gas stilles Wasser oder aqua con gas mit Kohlensäure. Pro Jahr registriert man auf der Insel einen Verbrauch von 30 Millionen Litern. Der Bedarf kann durch die einheimischen Quellen schon lange nicht mehr allein gedeckt werden. Importe kommen vom spanischen Festland. In den meisten einfachen Restaurants und Bars kommt zum Essen immer Wasser mit dem Wein auf den Tisch. Der Wirt berechnet meist nur, was in den Flaschen fehlt. Köstlichkeiten
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Quellen: | |
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Literaturhinweis: * Private Sammlung, Rezepte
Cocina de los Baleares, Pedro Servera, Playa Port Vell im WWW: * dieser Artikel steht auch in der Wikipedia.de und zahlreichen weiteren Lexikas in einer stark veränderten zum Teil verfälschten Version. Dort ist der Artikel GNU-FDL gestellt und kann ohne Copyright-Schutz entnommen und weiter verwendet werden.
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©2001 - 2005 Pedro Servera, Mallorca |