Das andere Mallorca

von Pedro Servera. Isla Balears


See: Llac Martel

 

 

 

 

 

 

 


Coves del Drac

Die '''Coves del Drac''' (kastilisch: ''Cuevas del Drach'', deutsch: ''Drachenhöhlen'') sind ein Tropfsteinhöhlensystem mit dem größten unterirdischen See Europas bei Porto Cristo auf Mallorca. Das begehbare Höhlensystem erstreckt sich über 1700 Meter und besitzt sechs Seen.

Geschichte:

Rund 3000 Jahre wussten die Bewohner Mallorcas schon von der Existenz der ''Coves del Drac''.
Frühgeschichtliche Funde ganz in der Nähe der Höhle offenbarten nicht nur den halben Hausrat einer Talayot-Kultur (talayotischen Ansiedlung) , sondern auch den Zugang zu dieser Höhle. Auch ihr Name legt Zeugnis ab vom allgemeinen Wissen der Ureinwohner um das unterirdische Zufluchtsystem. Man sagt: Die Piraten und auch die Templer hätten dort, so die Leseart, ihre Schätze einem Drachen schutzbefohlen. Aber weder die Ureinwohner Mallorcas noch die Piraten haben sich je weiter als 200 Meter in die Höhle gewagt, soweit, wie der Ausgang noch sichtbar war.

Erst im Jahre 1339, auf Anordnung des Governeurs von Mallorca, wurde eine Gruppe von Soldaten beauftragt, die Drachenhöhle nach dem verschwundenen Schatz der Templer zu durchsuchen. Man vermutete nach der Zerschlagung des mächtigen Ordens, den Schatz dort zu finden. Es entstanden die ersten Aufzeichnungen und Karten. In diesem Zusammenhang wurde auch eine Urkunde erstellt, die seit 1339 im Archiv des Königreichs Mallorca ruht und die Expeditionen dokumentiert.

1878, als einige Katalanen drei Tage in der Höhle vermisst wurden, kam die Coves del Drac in die Schlagzeilen. Die dann doch lebend geborgenen Forscher erzählten über das Höhleninnere, ohne jedoch bestimmem zu können, wie weit sie gegangen waren. In ihrer Verzweifelung hatten sie in die Höhlenwand die Worte ''No hi ha esperança'' (es gibt keine Hoffnung mehr) geritzt.

1880 wagte sich dann der deutsche Speläoge ''Will'' erneut in die Tiefen der Höhle. Will legte Karten an, allerdings nur über den vorderen Teil. Aber schon das galt als mutige Ausnahmetat, denn er musste feststellen, dass die Abweichung vom Kompass Kurs Nord um so größer wurde, je weiter er in das Innere vordrang.

1886 gelang es dem Franzosen Edouard Alfred Martel das insgesamt 1300 Meter lange Höhlensystem gründlich zu erforschen und zu kartographieren. Anstifter und Finanzier dazu war Erzherzog Ludwig Salvator. Martel fand den riesigen, kristallklaren, konstant 20 °C warmen See tief im Höhleninneren. Dieser See wurde dann auch nach ihm ''Llac Martel'' benannt. Er ist 177 Meter lang, 40 Meter breit und rund 9 Meter tief.

1922, bald nach dem Fund von Martell, kam ein Mallorquiner, ''Juan Servera'', darauf, aus den Höhlen etwas zu machen. Er kaufte für viel Geld das vergleichsweise unattraktive Landstück bei Porto Cristo, auf dessen Grund sich der Eingang zur Höhle befand. Nach damaligem Gesetz, dass wusste der Mitbegründer des Fremdenverkehrsamtes, gehörten die Höhlen dem, auf dessen Grund der Eingang lag, unabhängig davon, wie weit sie unterirdisch reichten. Servera ließ Wege, Treppen und Sitzplätze anlegen und bei der Cala Murta einen neuen Zugang öffnen.

1931, nach ein paar privaten Vorstellungen mit Musik und Ballett in den Höhlen, ließ er die Räume ausleuchten, als ob sie eine Märchenwelt wären, und die ersten lichtgeschmückten Orchesterboote tuckerten, gefolgt von zwei Besucherbooten, über den See.

1935 erfolgte dann die offizielle Eröffnung. Bis heute hat sich der Besuch der Höhle kaum geändert: Licht und zarte Klänge erhöhen diesen unterirdischen Dom zu einem furiosen Schauspiel; seine natürliche Stille wahrt er nun nur noch nachts.

Besuch heute:

Heute sind die Coves del Drac eine der bekanntesten Touristenattraktionen der Baleareninsel und stark frequentiert. Während der Hochsaison werden tausende Menschen im Stundenrhythmus durch die Höhlengänge geschleust, da eine richtige Führung bei diesen Massen nicht mehr möglich ist. Dies ruft zahlreiche Kritiker der starken Kommerzialisierung auf den Plan.

Der Eintritt zu den Höhlen ist gebührenpflichtig. Auf dem Weg durch die Tropfsteinhöhle kann der Besucher interessante Kalksteinformationen betrachten. Einige der Stalagmiten und Stalaktiten treffen sich in der Mitte und bilden Säulen. Am ''Llac Martel'' (Martel-See) befindet sich heute ein Auditorium mit Platz für etwa 1100 Besucher. Nachdem die Besucher Platz genommen haben, erlischt die Beleuchtung und auf dem See wird von Musikern in drei dezent beleuchteten Booten klassische Musik aufgeführt.

Lageplan:

Quellen
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©2005 Pedro Servera, Mallorca